Reise - Bericht aus dem südlichen Südamerika

September 2001 - Ende Mai 2002

von Doris + Max Roth, sowie Sonja + Martin Suter

Reisebericht 6. Teil vom 23.01 - 23.02.2002

Mi. 23.01.02: Heute fahren wir nach einer etwas unruhigen Nacht (da jemand um 2.30 Uhr das Zelt in unserer Nähe aufstellt) nach Bariloche, wo wir die Zeit verbringen mit Internet, lädele und dem Besuch des Museums (Museo de la Patagonia), welches vorwiegend indianische Kultur- und Alltagsgegenstände von Patagonien zeigt.

In der Region von Bariloche (als Schweiz von Argentinien bekannt) und in der Stadt selber hat es wesentlich mehr Turisten als bei unserem Besuch vor drei Monaten. Bariloche ist auch das Zentrum für die Herstellung von Schokolade in jeglicher Form. Die Verkaufsläden sind riesig gross (Verkaufsfläche von 150 - 200 m2), zudem haben sie noch ein grosses Café. Das eine hat noch eine Gelateria mit 76 - 80 Töpfen (2 mal mehr als 30 Sorten). Eiscrème kann man hier noch offen in verschiedenen Grössen kaufen. Der 1 kg Becher kostet ca. Fr. 15.--. Am Abend gehen wir in ein gemütliches Restaurant (Schweizer-Besitzer) und genehmigen uns ein Fondue (zuhause ist ja auch Fondue-Zeit). Es schmeckt gut und wir geniessen dies sehr. Danach fahren wir zur Übernachtung auf den grossen Parkplatz direkt am See.

Do. 24.01.02: Erneut haben wir nicht so gut geschlafen. Da die Argentinier am Nachmittag von 16 Uhr bis teilweise um 22 Uhr die Läden geöffnet haben, gehen diese natürlich auch sehr spät essen, respektive noch viel später in den Ausgang. Zudem haben die einen ein grosses Talent. Steht man auf einem 100 m breiten Parkplatz alleine, kommt sicher einer und parkiert sein Fahrzeug einen Meter neben uns. Zudem sind sie meist schwerhörig, denn die Musik tönt in voller Lautstärke, dies nachts um 2 Uhr. Nach 10 Minuten fahren sie mit Vollgas wieder weg. Nun ja, was soll's?

Heute fahren wir nun wieder weiter nordwärts und möchten noch gerne 2 - 3 Tage im Seengebiet (Siete Lagos) verbringen. Erneut fahren wir zum Lago Espejo, wo wir das letzte Mal das freie campen so genossen. Doch in der Zwischenzeit wurde hier ein taxpflichtiger Campingplatz eingerichtet. So fahren wir etwas nördlicher, zu einem anderen Platz wo wir auch schon übernachtet haben. Aber es ist klar, überall sind nun wesentlich mehr Leute, da nun Fereienzeit ist.

25.01.02: Wieder einmal haben wir gut geschlafen und die Sonne wärmt unser Fahrzeug auf. Der Blick durch die Dachlucke zeigt einen blauen Himmel. Doch später ziehen Wolken auf und innert kurzer Zeit ist es total bewölkt. Erstaunlich, wie schnell hier das Wetter wechseln kann. Gegen Mittag fahren wir in die Nähe von San Martin auf einen Campingplatz. Eine etwa 12 km lange, vorwiegend sandige Strasse führt uns über einen Hügel zum Platz, sehr nahe am See gelegen. Seit langer Zeit wieder einmal ein gepflegter Platz. In der Zwischenzeit ist wieder Sonnenschein und wir geniessen den Nachmittag mit einem kleineren Spaziergang.

Sa: 26.01.02: Wir fahren zuerst nach San Martin um einzukaufen. Gegen 15 Uhr fahren wir weiter, nochmals in die Nähe des Vulkan Lanin. Diesmal fahren wir entlag dem anderen Seeufer, d.h. ausserhalb des Nationalparks. Wir finden einen Platz, um etwas die Sonne zu geniessen. Später entscheiden wir uns, hier zu übernachten. Das junge Farmerpaar von nebenan spaziert mit seinen Hunden an uns vorbei. Auf dem Rückweg kommen sie zu uns und beginnen zu plaudern. Nach einer Weile fragen sie uns, ob wir nicht ein Foto von ihnen machen könnten und ihnen dann schicken. Dies machen wir dann auch, doch als wir ihnen sagen, dass sie es erst ca. im Juli erhalten werden, sind sie einwenig enttäuscht. Er fragt dann noch, ob wir ihm noch ein Bier auf den Heimweg hättten. Natürlich geben wir ihm eines.

So. 27.01.02: Unsere Weiterfahrt bringt uns zum Nationalpark Laguna Blanco, welcher bekannt ist als Brutgebiet für die Schwarzhalsschwäne. Leider ist nicht die ideale Zeit dazu und wir sehen keinen einzigen Schwan. Nicht so schlimm, denn wir haben ja in Puerto Natales einige gesehen und konnten verschiedene Aufnahmen machen. Allgemein sind sehr wenig Wasservögel zu sehen. Wir übernachten nahe am See und geniessen die Stille an diesem Ort.

Mo. 28.01.02: Gegen Mittag fahren wir gemütlich weiter nordwärts. Langsam ändert sich das Landschaftsbild und es wird auch merklich wärmer. Gegen Abend führt die Strasse entlang einem kleinen Canyon und wir können sehr gut Felsensittiche beoabachten, welche in den Sandsteinfelsen ihre Bruthöhlen und Schlafplätze haben. In der Nähe haben wir eine Möglichkeit zum übernachten gefunden und so können wir noch bis zur Dämmerung aus Entfernung diese Vögel beobachten.

Di. 29.01.02: Um 7 Uhr werden wir vom Geschrei der wegfliegenden Sittiche geweckt. Einmal mehr braucht es grosse Geduld, um von diesen scheuen Vögel einige Aufnahmen zu machen. Bis um 10 Uhr stehe ich am Rand des Canyons, dann wird es mir zu heiss, denn die Sonne brennt bereits stark. Wir fahren weiter auf der Routa 40 und stellen wieder fest, dass es eine teils sehr schlechte Strasse ist. Eindrückliche Felsformationen prägen das Landschaftsbild. Das Fahren auf solch holperigen Strassen ist wirklich sehr mühsam und belastet das Fahrzeug natürlich sehr und dadurch können sich auch diverse Schrauben lösen. So ist es ratsam, zwischendurch wieder eine Kontrolle durchzuführen. Am frühen Abend finden wir einen etwas von der Strasse entfernten Platz, wo wir übernachten. Nach kleineren Arbeiten am Fahrzeug geniessen wir die fantastische Abendstimmung. Der Platz liegt auf etwa 1620 m Höhe und wir haben einen herrlichen Blick in die Tiefebene, auf die Region der Laguna Llancañelo, wo wir morgen gerne hin möchten. Der Abend wird zum unvergesslichen Erlebnis. Der Vollmond steigt auf, ein wunderschöner Sternenhimmel und in der Ferne ein Gewitter. Es blitzt ununterbrochen. Dies sieht hinter den Wolken wie ein Feuerwerk aus. Das zirpen der Grillen (diese hören wir zum erstenmal auf dieser Reise) und die lauwarme Brise geben eine romatische Stimmung.

Mi. 30.01.02: Trotzdem, dass wir nur ca. 20 m von der Hauptstrasse entfernt sind, konnten wir sehr gut schlafen. Von 23 bis 07 Uhr ist (ohne Nachtfahrverbot) praktisch kein Auto vorbeigefahren. Zwischen 9 und 10 Uhr fahren doch immerhin etwa 4 Fahrzeuge vorbei. Gegen Mittag fahren wir etwas weiter zur Laguna Llancañelo. Der See ist bekannt als Brutgebiet für die Flamingos. Es ist ein kleiner Nationalpark. Wir fragen den Parkwächter, ob wir auch hier übernachten können und er sagt, dass dies problemlos sei. In der Nähe der Parkverwaltung entdecken wir an einem kleinen Hang einige grosse Kakteen. Der grösste ist so gross wie ich. Später fahren wir zur Lagune, aber auch hier ist zur Zeit von den Flamingos nicht viel zu sehen. Natürlich ist der See gross und die Zufahrtsmöglichkeit gering. Wir können aber doch wenige sehen. Den restlichen Tag verbingen wir in der grossen Ebene im Schatten einer Trauerweide und geniessen die schöne Abendstimmung. Einmalmehr ist es herrlich, in der freien Natur weit weg von der Zivilisation zu übernachten.

Do. 31.01.02: Ganz in der Nähe unseres Übernachtungsplatzes hat es eine kleine Lagune und wir können doch noch eine grössere Zahl (> 100) Flamingos beobachten. Ich versuche mein Glück mit der Kamera. Die Flamingos sind sehr scheu und es braucht einige Zeit um etwas näher an sie heranzukommen. Auch andere Vogelarten sind zu beobachten. Gegen Mittag fahren wir weiter nach San Rafael, wo wir einkaufen, usw. Gegen 5 Uhr fahren wir weiter zum Canyon Atuel. Der Canyon ist etwa 50 km lang und hat sehr eindrückliche Felsformationen. Es gibt verschiedene Kraftwerke und Staumauern. Der unterste Teil ist auch sehr turistisch genutzt, u.a. mit River-Rafting. Wir fahren etwa 30 km dem Canyon entlang und übernachten in der Nähe eines Stauwehrs.

Fr. 01.02.02: Am Morgen geniessen wir noch etwas den ruhigen Platz und beobachten etwas Vögel. Am Nachmittag fahren wir durch den Canyon zurück Richtung San Rafael und übernachten auf einem gebührengfreien Platz direkt am Fluss. Da wir nun bereits einiges nördlicher sind, wird es bereits wieder etwa um 21 Uhr dunkel.

Sa. 02.02.02: Die Argentinier kennen offenbar keine Nachtruhe und so fahren wir nach einer etwas schlafarmen Nacht frühzeitig weiter Richtung Mendoza. Wir staunen immer wieder über den Lebensrythmus der Argentinier. Die Läden sind geöffnet von 09 - 13 Uhr und von 17 - 22 Uhr. Über Mittag machen sie "Grande Siesta" und in der Nacht "Grande Fiesta".

Nach Mendoza sind 230 km Distanz zurückzulegen. Mendoza ist das Zentrum des Weinbaus in Argentinien. In der Umgebung sind verschiedene grössere Kellereien. Die Stadt, es heisst es sei die schönste von Argentinien, hat über 700'000 Einwohner. Wir erreichen am früheren Nachmittag die Stadt und fahren zuerst durch die Stadt auf die Nordwest Seite auf einen Campingplatz. Er heisst Caming Suizo und gehörte vor langer Zeit einem Schweizer. Man merkt aber den Unterschied schnell, ob ein Platz wirklich in Besitz von Schweizern ist.

So. 03.02.02: Trotz eines Pop-Konzertes in der Nähe bis ca. 03 Uhr, haben wir diese Nacht besser geschlafen. Wir fahren rechtzeitig weg, denn unser Ziel ist, den höchsten Berg ausserhalb Asien zu sehen. Dies ist der Aconcagua und hat eine Höhe von 6962 (plus, minus, denn es gibt unterschiedliche Angaben). Die Anreise ist etwas mehr als 200 km und führt uns zuerst über einen Pass (Naturstrasse) mit etwa 360 Kurven bis zur Passhöhe auf eine Höhe von über 3000 m. Diese Strasse weist teilweise spitze Steine auf und so passiert es halt wieder einmal (wie schon gehabt) dass dem hinteren rechten Rad der Schnauf ausgeht. Wir schaffen es noch, um das Fahrzeug einigermassen richtig hinzustellen, damit auf der schmalen Strasse noch andere Fahrzeuge passieren können. Dank den bereits gemachten Erfahrungen haben wir den Reifenwechsel diesmal im Griff. Der Kauf eines zuzätzlichen, kleineren Wagenhebers hat sich gelohnt. Diesmal ist kein Stein zu sehen, der Pneu hat einen kleineren Riss, aber wie der Schaden genau ist werden wir später sehen.

Im Laufe des Nachmittags erreichen wir den idealen Standort, um den riesigen Berg zu sehen. Der Aconcagua liegt nahe der chlienischen Grenze. Im Gebiet hat es noch 2 andere Bergspitzen, ebenfalls mit 6800 m Höhe. Eindrücklich ist vorallem auch, wie hoch die Berge davor sind, denn wir befinden uns nun auch auf 3200 m Höhe. Etwas später fahren wir etwas weiter zu einem anderen Aussichtsplatz und finden zuvor in einer Kiesgrube einen schönen Übernachtungsplatz mitten in einer herrlichen Bergwelt. Kaum ist Sonnenuntergang, wird es merklich kühler.

Mo. 04.02.02: In dieser stillen Bergwelt haben wir gut geschlafen und wir stehen rechtzeitig auf um die Sonnaufgangstimmung zu geniessen. Danach fahren wir nahe zur chilenischen Grenze. Leider ist die Befahrung der Strasse zu einem Aussichtspunkt auf 3300 m Höhe wegen schnee- und eisbedeckter Fahrbahn nicht möglich. Wir kehren um und fahren zu einem anderen Platz, wo wir eine kurze Wanderung zu einem Aussichtspunkt machen, um den Aconcagua nochmals zu sehen. Die Höhe des Berges ist enorm, aber die Form ist sonst nicht spektakulär. Uebrigens wurde dieser am 18. Januar 1897 erstmals durch den Schweizer Matthias Zurbriggen bestiegen. Heute ist dies das Ziel von jährlich etwa 2000 Bergsteigern, aber nicht allen gelingt die Besteigung. Vorallem braucht es eine sehr gute windfeste Ausrüstung, denn es können Windgeschwindigkeiten von über 170 km/h herrschen.

Am Nachmittag fahren wir zurück nach Mendoza, diesmal auf geteerter Strasse, aber wiederum über 200 km. Wir fahren im südwestlich gelegenen Vorort Maipu zum Weingut Ruttini. Der Keller hat ein Fassungsvermögen von 16'500 hl. Die gesamte Anbaufläche beträgt 220 ha. Der Keller besitzt auch ein Weinmuseum.. Wir nehmen Teil an einer Führung und natürlich auch an einer kleinen Degustation.

Am späteren Abend fahren wir wieder zum Camping Suiza. Zu später Stunde kommen noch viele Leute und der Platz füllt sich (beinahe Verhältnisse wie an der Riviera). Unser direkter Nachbar beginnt nach 23 Uhr zu grillieren und 6 - 7 Personen warten auf ein Essen. Der Tisch ist doch immerhin 4 m hinter unserem Fahrzeug --- en Guete!

Erstaunlicherweise geht es recht ruhig zu und her und um 24 Uhr ist auch hier Nachtruhe.

Di. 05.02.02: Wir stehen rechtzeitig auf, um unseren defekten Pneu zu reparieren. In der Nähe finden wir auch eine "Gomeria" wo der Reifen repariert werden kann. Das Rad wird wieder gewechselt, so dass wiederum die gleiche Bereifung links und rechts ist. Wir erkundigen uns auch für einen neuen Ersatzreifen, diese sind aber teurer als in Chile und erst noch schwierig zu bekommen. Wir warten also diesbezüglich ab bis wir in Chile sind.

Am frühen Nachmittag kehren wir zum Campingplatz zurück.

Mi. 06.02.02: Gegen 11 Uhr fahren wir weiter und machen Halt am Pilgerort der entschlafenen Correa. Ein ganzer Hügel sowie verschiedene Kappellen sind voll von Opfergaben wie z.B. Diplome, Pokale, Autonummern und Bestandteile, Hochzeitskleider etc. Die Region ist sehr heiss und da es für uns keine besondere Bedeutung hat, fahren wir nach einer Stunde weiter. Die Landschaft wird zusehends trockener und es gibt sehr viele verschiedene Büsche und Sträucher. Gegen Abend fahren wir zur Übernachtung etwas weg von der Strasse. Die Ruhe und Einsamkeit geniessen wir einmal mehr.

Do. 07.02.02: Wir verbringen den ganzen Tag an diesem Platz und machen es uns gemütlich bei herrlichem Wetter (zB. 16 Uhr bei 31°C am Schatten). Es sind auch noch kleinere Arbeiten am Fahrzeug zu erledigen.

Fr. 08.02.02: Heute fahren wir weiter nordwärts und gegen Mittag einigen wir uns, den Nationalpark Laguna Brava zu besuchen. Dieser ist in den Reiseführern nicht oder nur spärlich beschrieben. Der Anfahrtsweg ist nur etwa 150 km. Die Lagune ist auf einer Höhe von 4300 Meter. Zuerst passieren wir 4 Polizeikontrollen, natürlich wie immer sind diese freundlich. Meistens schreiben sie unsere Namen und Autonummern auf einen Zettel oder in eine Tagesliste (kein Mensch weiss für was). Danach kommt der erste Parkposten und da meint der Mann, dass wir eventuell Probleme hätten mit unserem Fahrzeug. Wir sind etwas verunsichert aber wir lassen uns überraschen. Kurz danach fahren wir auf Naturstrasse in ein Tal und wir sind umgeben von schroffen roten Sandsteinfelsen. Wir fahren nicht sehr weit, denn wir wollen für den nächsten Tag frisch und fit sein, wenn es in die Höhe geht. Auf 1600 m finden wir, umgeben von den Felsen, einen idealen Platz zur Übernachtung. Der Sternenhimmel ist so schön, dass wir noch etwas mit dem Fernrohr zu unseren Planeten schauen.

Sa. 09.02.02: Nach einer ruhigen Nacht fahren wir früh weiter, denn wir sind auch gespannt, was uns heute erwartet. Wir fahren eng vorbei an Felsen und erreichen kurze Zeit später ein Gebiet, welches aussieht wie eine Mondlandschaft. Plötzlich kommt eine Hochebene, wo auch ein kleines Dorf (etwa 2000 müM) liegt. Da ist zuerst wieder eine Polizeikontrolle und etwas später der zweite Parkposten. Hier bezahlt man den Eintritt zum Park (Fr. 5.-- pro Person und Fr. 10.-- für das Fahrzeug). Wir fragen nochmals, ob es ein Problem sei mit unserem Fahrzeug, was aber verneint wird. Kaum aus dem Dorf, kommen wir auf eine geteerte Autostrasse, worauf Mittelstrecken-Flugzeuge ohne Probleme landen und starten könnten. Diese ist über 30 km lang und führt uns, ohne dass wir es merken auf eine Höhe von etwa 2700 m. Umgeben von einer herrlichen, wechselhaften Landschaft fahren wir immer höher und müssen immer wieder aussteigen um die verschiedenen Eindrücke zu fotografieren. Kaum einige hundert Meter gefahren, erwartet uns wieder ein anderes Bild. Je höher wir fahren, ändern sich auch die Farben. Vorerst waren es vorwiegend rotbraune Farbtöne durch die Felsen und nun mit zunehmender Höhe erscheinen die Berghänge durch den Bewuchs kleiner Pflanzen überwiegend pastellgrün, rosa und beige. Mit dem blauen Himmel eine traumhafte Landschaft. Das einzig Trübe sind die Abgaswolken unserer Fahrzeuge, die sich in dieser Höhe gewaltig bemerkbar machen. Beim Anfahren muss man recht Gas geben, sonst kommt man nicht vom Fleck. Nach einiger Zeit erreichen wir die Laguna Brava, ein etwa 50 km2 grosser, salzhaltiger See. An einer Stelle können wir nun einige hundert Flamingos beobachten. Vorwiegend ist der Puna Flamingo, dazu einige Andean Flamingos zu beobachten. Bis anhin haben wir nur den Chile Flamingo gesehen. Wir fahren zuerst noch etwas weiter auf dem Hochplateau. Auf einer Höhe von 4500 m (höchster Punkt der Strasse) kehren wir um. Wir staunen, dass wir und unsere Fahrzeuge dies ohne Probleme geschafft haben. Doris und ich (und die Fahrzeuge), wir waren noch nie auf einer solchen Höhe.

Gegen Abend fahren wir zurück bis auf 3500 m Höhe, wo wir etwas abseits der Strasse übernachten.

So. 10.02.02: Doris und ich, wir haben gut geschlafen, im Gegensatz zu Sonja und Martin, welche etwas Mühe hatten (Kopfweh) mit der Höhe. Sicher ist, dass es für jederman eine Angewöhnungszeit braucht, welche von Person zu Person unterschiedlich ist.

Wir fahren früh weg, denn wir möchten auf dem Rückweg noch etwas Vögel beobachten. Im Laufe des Nachmittags erreichen wir den selben Platz wie vor zwei Tagen, wo wir wiederum übernachten.

Mo. - Mi 11.-13.02.02: Alle haben wieder gut geschlafen und wir fahren heute eine grössere Distanz Richtung Nord. Grosse Strecken fahren wir durch Savanne- und Buschlandschaft. Immer wieder werden in uns Errinnerungen an das südliche Afrika geweckt.

Gegen Abend heisst es nun wieder, rechtzeitig für eine Uebernachtungsmöglichkeit zu schauen. Campingplätze sind hier sehr rar aber wir finden immer wieder ideale Stellen, mitten im Busch und abseits der Strasse. Am Mittwoch entscheiden wir uns, den ganzen Tag hier zu verbringen und die Natur zu geniessen.

Do. 14.02.02: Wir fahren früh weiter um rechtzeitig bei den Ruinen von Quilmes zu sein. Da es in der Nacht geregnet hat, müssen wir immer wieder schlammige Bachbette durchqueren. In Quilmes hat vor einigen Jahrhunderten ein chilenischer Indianerstamm gelebt. Die Ruinen, wo etwa 5000 Leute wohnten, sind in ein Abhang eingebettet. Eindrücklich sind auch die grossen Kakteen. Einige Zeit später fahren wir weiter nach Cafayate. Die Region ist ebenfalls als Weinregion bekannt. Der Ort liegt etwa 1700 müM. Hier gibt es auch 2 - 3 Campingplätze und nach einem kurzen Einkauf im Ort entscheiden wir uns auch für denjenigen, welcher ein Schwimmbad hat. Das erste Mal, dass wir hier in einem Pool baden.

Fr. 15.02.02: Wir entscheiden uns, etwa 3 Nächte hier zu bleiben und im Laufe des Nachmittags machen wir eine Fahrt Richtung Salta. Im Reiseführer ist eine Rundfahrt beschrieben mit Start in Salta, nach Cafayate und zurück nach Salta. Deshalb wollen wir nun die eine Strecke teilweise befahren, um nachher die andere nach Salta zu fahren. Erneut erleben wir eine unglaubliche Landschaft, Felsformationen in verschiedenen braun-rot-violett Farbtönen, einfach fantastisch. Wie auch an anderen Orten gibt es verschieden Motive zu sehen. Nach ca. 50 km kehren wir um und halten nochmals bei Formationen, wo Felsensittiche ihren Schlaf-, resp. Brutplatz haben. Die nördliche Rasse des Felsensittichs ist etwas weniger gefärbt als die südliche Rasse. Eindrücklich ist, wenn ein Schwarm kommt und kreischend vor den Felsformationen hin und her fliegt, bevor sie sich an unterschiedlichen Stellen niederlassen. Einmal mehr wird die Kamera hervorgeholt, um einige Aufnahmen zu machen.

Bei der Rückfahrt beginnt es leicht zu regnen. Hier im Norden ist Regenzeit, d.h. es ist immer Bewölkungszunahme gegen Abend und mit Regen muss jederzeit gerechnet werden. Bis Anhin hatten wir aber Glück.

Sa. 16.02.02: Wir schlafen etwas aus und spazieren um 10 Uhr in das Städtchen (etwa 1 km). Es ist hier noch Karnevalszeit und es sind verschiedene Aktivitäten angesagt. Gegen 11 Uhr ist "Brotfestival" und Frauen vom Ort verkaufen ihr Brot auf dem Hauptplatz. Auch wir kaufen eines für Fr. 0.50. Auf dem Rückweg, nach dem Internet-Besuch, kaufen wir noch Trauben, etwa 2 kg (weisse, rose und rote gemischt) für Fr. 1.--, mmmhhhh schmecken gut.

Heute Abend ist im Ort noch Karneval mit Umzug, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollen. So gehen wir gegen 21 Uhr zu der Strasse, wo dies stattfindet. Der Eintritt kostet pro Person Fr. 1.-- und ein Sitzplatz ebenfalls Fr. 1.--. Ein Sitzplatz erweist sich als positiv, denn das ganze zieht sich sehr in die Länge. Es tanzen verschiedene Gruppen in schönen Kostümen an uns vorbei. Natürlich ist es nicht so attraktiv wie man dies vom Karneval in Rio kennt. Es nehmen auch recht viele Kinder daran teil, die kleinsten sind etwa 3 Jahre alt und tanzen noch bis 02.30 Uhr in den Gruppen mit. Einmal mehr ist es sehr erstaunlich, wie bereits die Kinder zu "Nachtmenschen" erzogen werden. Die zuschauenden Kinder sind sehr aktiv entlang der Strasse und bespritzen sich mit Schaum aus Spraydosen. Ab und zu bekommen auch wir etwas davon zu spüren.

So. 17.02.02: Heute heisst es zuerst ausschlafen, denn es war 4Uhr bis wir endlich im Bett lagen. Nach dem Brunch kommt noch ein Mann mit seinem Fahrrad, voll beladen mit verschiedenen Korbwaren, auf den Campingplatz. Nach etwas plaudern zeigt er uns seine Sachen. Wir können nicht wiederstehen und kaufen einen grossen Wäschekorb sowie ein Gschweltikörbli und noch drei kleinere Körbli und dies alles für Fr. 21.---. Nun müssen wir schauen, wie wir dies in Zukunft transportieren. Alles kommt in den grossen Korb und diesen verpacken wir in Plastik. Während der Fahrt liegt er dann auf unserem Bett und in der Nacht in der Führerkabine. Anschliessend fahren wir dann die andere (oben erwähnt) Route weiter nordwärts, diesmal handelt es sich wiederum um unsere beliebte Ruta 40, d.h. der grössere Teil ist Naturstrasse. Die Landschaft ist ebenfalls wieder faszinierend, jedoch die Strasse teilweise sehr schlecht und eng und das Fahren ermüdet sehr. Am Abend finden wir einen Übernachtungsplatz in einem breiten, ausgetrockneten Flusslauf.

Mo. 18.02.02: Wir haben gut geschlafen und fahren rechtzeitig weiter. In Cachi besuchen wir die Kirche aus der Kolonialzeit. Das Besondere an dieser Kirche ist, dass die Decke, der Beichtstuhl und anderes Mobiliar aus Kaktusholz hergestellt ist. Die Weiterfahrt führt uns über eine Hochebene (etwa 3000 müM) welche übersät ist mit tausenden von Kakteenn. Es sind Kandelaber Kakteen, welche teilweise über 10 m hoch sind. Von Cachi bis und mit dieser Hochebene ist die Strasse geteert. Erstaunlich ist hier auf 3000 m Höhe die Verkehrsregelung. Am Anfang und am Schluss, d.h. je etwa für 400 Meter der ca. 6 km langen Gerade ist die erlaubte maximale Geschwindigkeit 30 km/h. Dazu steht ein Schild mit Hinweis auf Geschwinigkeitskontrollen mit Radar. Der Grund ist, dass an diesen Stellen Wild (Guanakos) die Strasse überqueren könnten. Wir fragen uns, warum im Mittelstück, bei genau gleicher Landschaft kein Wild die Strasse überqueren soll. Anderseits ist die ganze Strasse so übersichtlich und man fühlt sich hier sowieso völlig alleine.

Die Beschilderungen zur Verkehrsregelung sind vielmals sehr fraglich, so kommt es vor, dass auf einer gut übersichtlichen Strasse plötzlich auf 30 km/h reduziert wird. Grund ist vielmals ein kleiner Weg von einem Haus oder von einer Kiesgrube. Gestaunt haben wir einmal, als an einer Hauptstrasse ein Hinweisschild stand: max. Fahrzeughöhe 11 m.

Die Weiterfahrt nach der Hochebene (wieder auf Naturstrasse) führt uns zur Passhöhe auf 3400 müM. Es ist hier stark bewölkt mit Nebel und wir fahren durch eine grüne Landschaft mit vielen Kurven hinunter ins Tal. Gegen Abend fahren wir etwas abseits zur Übernachtung ans Ufer eines Flusses. Es beginnt zu regnen und wir machen uns etwas Sorge, wie wohl der Fluss ansteigen könnte. Nach Begutachtung der näheren Umgebung meinen wir dass es kein Problem sein sollte.

Di. 19.02.02: Wir haben die Nacht gut überstanden und wir fahren gegen 9 Uhr weiter nach Salta. Die Landschaft vom unteren Teil des Tales erinnert uns stark an Costa Rica, denn bereits ist nun teilweise schöner Urwald zu sehen. Wir fahren bis Salta und nutzen die Gelegenheit, in einem grossen Supermarkt einzukaufen. Nach dem Mittagessen fahren wir weiter zum Nationalpark Calilegua, welcher nordöstlich von Salta liegt. Zur Übernachtung stehen wir auf einer Waldlichtung etwa 1 km vor dem Parkeingang.

Mi. - Sa. 20.-23.02: Heute stehe ich früh auf, um etwas Vögel zu beobachten. Der Nationalpark Calilegua ist der Artenreichste Park in Argentinien. Ein Problem ist die Regenzeit, welche vom November bis April herrscht. Der Himmel ist bedeckt. Wir fahren weiter zum Park und müssen jedoch zuerst noch einen Fluss durchqueren. Zuerst haben wir schon einwenig ein mulmiges Gefühl, denn das Wasser fliesst recht stark. Da wir jedoch auf dieser Rute schon andere Autos gesehen haben, wagen auch wir es. Martin fährt voraus, dadurch können wir sehen dass es gar nicht so tief ist und der Untergrund steinig, also problemlos. Die nächsten 4 Tage verbringen wir mit Vögel beobachten. Es hat auch viele schöne Schmetterlinge, Heuschrecken und andere Insekten. Vor allem bekommen wir auch die Mücken zu spüren. Der Wald ist sehr schön, richtiger tropischer Regenwald. Am Donnerstagabend regenet es recht heftig, so dass wir die Dusche in freier Natur benützen können.

Am Freitagmorgen scheint die Sonne und der Himmel ist wolkenlos. Ein herrlicher Tag und ich geniesse während meiner Fotopirsch die Sicht auf die über 3000 m hohen Berge des Parkes.

Am Samstag ist ebenfalls schönes Wetter und wir entschliessen uns in die Höhe bis zum Parkende zu fahren. Hier geniessen wir die Aussicht über den Urwald und können verschiedene Vogelarten beobachten. Wir sind einer Meinung: ein absolut schöner Urwald.

 

2002: Liebe Grüsse an alle Freunde und Verwandten

Max - Doris - Sonja - Martin

 

 

 

 

 

 

 
Schweizer Restaurant (Fondue)

diverse Schokolade

Einheimische
Felsensittiche
Stelzenläufer
Taucher mit Jungen

Chile-Flamingo

Kakteen
Stausee Canyon Atual

Passfahrt

Reifenpanne

Sonja beim fotografieren

Aconcagua, Höhe = 6962 m (der kleine im Hintergrund)

Cabernet Sauvignon Trauben
Wein Degustation
Nationalpark Laguna Brava
Auf staubiger Piste im NP
Übernachtungsplatz im NP
Puna Flamingo
Kaktusblüte
In den Ruinen von Quilmes
Landschaft bei Cafayate
Felsensittiche (nördl. Rasse)
Mate-Tee, eine Zeremonie
Diskussionen mit Korbhändler
Wohin mit dem Korb im Auto?
Kirche von Molinus
Kakteen in der Hochebene
Flussüberquerung
Urwald, Nationalpark Calilegua
Trogon