Reisebericht 3. Teil vom 6.11. -
28.11.2001
Di. 6.11.01: Aufgrund des etwas hektischen Vorabends (wo sind sie geblieben?)
und der längeren Fahrt, haben wir gut geschlafen. Trotz der Strassennähe
war es erstaunlich ruhig. In der Nacht hat es teilweise leicht geregnet
und es war recht kalt, aber heute morgen scheint die Sonne wieder und
es wärmt das Auto richtig auf. Dies ist wichtig, denn bei grosser
Kälte funktioniert unser Verdunklungsrollo am grossen Fenster nicht
mehr.
Wir entscheiden uns, vorerst nordwärts in die Region Pucón,
am Fusse des Vulkans Villarrica zu fahren. Die Route führt uns
zuerst über die neu erstellte Autobahn, welche bis nach dem etwa
950 km entfernten Santiago geht.
Am frühen Nachmittag erreichen wir Pucón, ein echter Touristenort.
Hier gibt es viele Restaurants, u.a. teilweise in Besitz von Schweizern
oder Deutschen. In dieser Gegend haben sich viele deutsche Siedler Mitte
des 19. Jahrhunderts niedergelassen. Wir fahren zum schönen, ganzjährig
geöffneten Campingplatz im Ort. Dieser ist direkt neben dem Hotel
Interlaken (Schweizer-Besitzer). Am Abend spazieren wir noch etwas im
Ort und da wir noch im Restaurant Suiza feine Eiscreme entdecken, können
wir natürlich nicht wiederstehen. So richtige Eiscreme-Cornet,
wie wir sie aus früheren Zeiten kennen, eine Riesenportion für
etwa Fr. 2.-- . Die Auswahl ist gross, mmmmhhh!!
Mi. 7.11.01: Das befahren trockener Naturstrassen wirbelt immer viel
Staub auf, wovon ein Teil in unsere Fahrzeuge dringt. Sind sie dagegen
feucht und schlammig, sehen unsere Fahrzeuge teilweise aus wie nach
einem Rally. Da das Wetter gut ist, werden heute wieder unsere Landy's
auf Vordermann gebracht. Zudem ist bei unserem Fahrzeug der Dieselfilter
nicht dicht, weshalb wir mitten im Campinggelände den Filter demontieren
und alles reinigen. Alles ist so richtig schwarz und dreckig. Keine
Sorge, natürlich wird ein Behälter unterstellt, um den auslaufenden
Diesel aufzufangen. Alles geht gut und schlussendlich stehen unsere
Fahrzeuge wieder fast wie neu da. Ganz neu doch auch wieder nicht, denn
vorallem bekommt unsere Wohnkabine ab und zu ein Kratzer ab von Ästen.
Dies ist jedoch kaum zu verhindern, was soll's!
Am Nachmittag ist auch einkaufen, Internet-Cafe, Wäscherei, usw.
auf dem Programm.
Do. 8.11.01: Heute stehen wir früh auf, denn wir wollen eine Wanderung
zu den drei Seen im Nationalpark Huerquehue machen. In unserem Reiseführer
steht, dass der Weg gemächlich von 700m auf 1300m Höhe führt
und ca. 5 km lang ist. Die Anfahrtstrecke bis zum Parkeingang beträgt
etwa 35 km. Mit Stöcken bewaffnet machen wir uns auf den Weg, denn
vor 4 Jahren wurde Sonja und Martin hier von Hunden gebissen. Diesmal
ist zwar kein Hund zu sehen, trotzdem können wir unsere Stöcke
gut gebrauchen, denn der Weg ist alles andere als "gemächlich".
Er ist teils sehr steil und recht schlammig und macht recht mühe.
Einmal mehr merken wir uns, dass die Angaben in den Reiseführern
meistens etwas überholungsbedürftig sind. Aber dennoch, die
Mühe hat sich gelohnt, denn es ist eine sehr schöne Wanderung
und an den Seen können wir uns jeweils etwas erholen. Gegen Abend,
nach etwa siebeneinhalb Stunden erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt.
Anschliessend fahren wir zurück nach Pucón und am späteren
Abend gibt's noch Eiscreme und Kaffee, natürlich im Restaurant
Suiza.
Fr. 9.11.01: Die Weiterfahrt führt uns über Villarrica, wo
wir noch einkaufen, zum nördlich gelegenen Nationalpark Conguillio.
Gegen Abend ziehen dunkle Wolken auf und es beginnt teilweise heftig
zu regnen, sogar mit leichtem Hagel. Etwa 1 km vor dem Parkeingang parkieren
wir zur Uebernachtung am Rande eines Lavafeldes des Vulkan's Llaima,
in einem Baumbestand. Der Platz ist gut, etwas weg von der Strasse und
windgeschützt. Der Regen hat etwas nachgelassen und bald nach dem
Essen gehen wir zu Bett.
Sa.10.11.01: In der Nacht weht der Wind teilweise heftig und es regnet
auch mit unterschiedlicher Intensität. So lässt's sich nicht
gut schlafen, denn man hat immer etwas Angst, dass Aeste auf das Dach
krachen könnten. Auch das prasseln von grossen Regentropfen auf
das Dach geht nicht lautlos vorbei. Das tönt, wie wenn jemand das
Dach in unterschiedlichen Intervallen abspritzen würde. Normalerweise
bevorzugen wir, nicht unter Bäume zu stehen, denn da würde
der Regen gleichmässig auf das Dach prasseln.
Wir beschliessen, da das Wetter schlecht ist, nicht weiterzufahren.
Wir verbringen den Tag mit Tagebuch schreiben, spielen und planen der
Weiterreise.
So. 11.11.01: 07.11 Uhr, da beginnt in der Schweiz und Deutschland
die Fasnachtszeit. Wir nehmen dies recht locker, denn für uns ist
der Blick aus dem Fenster wichtiger, um zu sehen wie das Wetter ist.
Tatsächlich scheint dies wiederum die Wende zu sein, denn der Himmel
lacht wieder. Deshalb wollen wir heute früh wegfahren, um diverse
kleinere Spaziergänge im Nationalpark zu unternehmen. Die Fahrt
geht über eine längere Strecke von Lavafeldern, dann wieder
durch schmale Wege in Araukarienwäldern, alles am Fusse des Vulkans.
Es soll einer der aktivsten Vulkane in Chile sein, hatte er doch im
letzten Jahrhundert 22 Ausbrüche. Auf diesen Strassen beginnt für
uns das richtige off-road fahren. Volle Konzentration ist gefragt. Dennoch
versuchen wir die schöne Landschaft mit den Araukarien zu beachten.
Mit drei kleineren Spaziergängen erleben wir die herrliche Landschaft,
natürlich immer wieder mit Blick auf den verschneiten Vulkan. Zur
Übernachtung schauen wir uns zuerst einmal die zwei offiziellen
Campingplätze im Park an. Allgemein sind diese Plätze in den
Nationalparks teuer, meist aber nicht richtig gepflegt und oft in einem
desolaten Zustand. Da auch hier das Motto "fliessend und kalt Wasser"
herrscht, übernachten wir bei einem "ehemaligen" Platz,
direkt am See. Wir haben in unserem Fahrzeug wesentlich mehr Komfort.
Martin und Sonja benutzen "cool" das erfrischende Seewasser
als "Badewanne".
Mo. 12.11.01: Wir haben gut geschlafen und bei schönem Wetter
fahren wir nochmals etwas nördlicher, in die Nähe des Vulkans
Lonquimay. Den Ort Curacautin (etwa 20'000 Einwohner) erreichen wir
gegen Mittag. Zum "lädele" gibts hier natürlich
keine Möglichkeiten, deshalb fahren wir bald weiter. Etwas später
fahren wir zu einer Hosteria mit Campingmöglichkeiten, welche vor
etwa 4 Jahren von Thomas und Eva, einem Schweizerpaar aufgebaut wurde.
Wir sind nicht die einzigen Gäste, denn in der Zwischenzeit hat
es einen Bekanntheitsgrad bei Schweizer und deutschen Touristen. Wiederum
verschlechtert sich das Wetter gegen Abend und es beginnt zu regnen.
Da für Sonja und Martin die Kocherei bei Regen mühsam ist,
beschliessen wir "auswärts" d.h. in der Hosteria zu essen.
Ein 4-Gang-Menü, Kürbissuppe, Salat, Rösti mit Pilzrahmsauce
und Fruchtcreme zum Dessert ist für uns eine willkommene Abwechslung.
Da die Wetteraussichten schlecht sind, ist für uns klar, morgen
auszuschlafen und einen weiteren Tag zu bleiben.
Di. 13.11.01: Der ganze Tag ist sehr regnerisch und am Nachmittag werden
unsere Mail's vorbereitet, sowie weitere Computerarbeiten erledigt.
Falls vorhanden, nutzen wir jeweils möglichst Stromquellen auf
dem Campingplatz.
Apropos Energie; die "Innen- Batterien" haben sich wieder
erholt und funktionieren gut. Bei guten Wetterbedingungen liefern unsere
Solarzellen genügend Energie um den Kühlschrank, die Notebooks,
sowie die Musikanlage in Betrieb zu haben. Ist aber länger schlechtes
Wetter, muss doch der Energie etwas Sorge getragen werden, dies können
wir jedoch mit der Ladezustands-Anzeige kontrollieren.
Mi. 14.11.01: Das Wetter hat gebessert und die Sonne lässt sich
wieder etwas blicken. Deshalb wollen wir eine kleinere Rundfahrt machen,
welche über einen Pass und später dann nahe an die argentinische
Grenze führt. Zuerst fahren wir den Weg hinauf, welcher zum Krater
Navidad des Vulkan's Lonquimay, welcher an Weihnachten 1988 seinen letzten
Ausbruch hatte, führen soll. Plötzlich bemerken wir, dass
der Weg total verschneit und nicht mehr zu sehen ist. Linke Seite starker
Abhang, rechte Seite steiler Anstieg, was nun? Alles rückwärts
fahren? ..... nein, mit 11 Ansätzen können wir unser Fahrzeug
wenden. Um die Aussicht zu geniessen, steigen wir zu Fuss den Berg hoch
über das Lavafeld, mit dem Motto, ein Schritt vorwärts, 2
Schritte zurück. Es lohnt sich, denn die Aussicht ist fantastisch.
Die Sicht in das argentinische Andengebirge ist sehr schön.
Erstaunlich ist, dass hier mitten im Lavafeld, Heuschrecken (oder sind
es Lava-(Schnee-) schrecken?) zu beobachten sind. Ebenfalls sind verschiedene
wunderschöne, kleine Blumen zu sehen. Die Wassertropfen im Blattzentrum
glitzern wunderschön in der Sonne wie Edelsteine.
Die Weiterfahrt führt uns über einen Pass auf guter Naturstrasse.
Wieder in der Talebene erreichen wir eine schöne, neuerstellte
Strasse, welche schlussendlich wieder zurück nach Curacautin führt.
Sie führt aber auch zu einem Grenzübergang nach Argentinien.
Das Zollhaus ist gutausgebaut, jedoch fahren offenbar sehr wenige über
diesen Zoll. Im Reiseführer steht sogar, dass sich die Beamten
die Zeit mit Tischtennis spielen vertreiben. Dafür, wenn dann jemand
kommt, diesen aber sehr genau kontrollieren.
Gegen Abend verschlechtert sich das Wetter wieder und zur Uebernachtung
finden wir einen Platz, etwas abseits der Strasse, direkt am Fluss.
Kurze Zeit später kommt ein kleiner Jeep mit 4 Personen in Uniform.
Einer steigt aus und wir ahnen schon schlechtes. Er fragt uns, ob bereits
zuvor jemand in Uniform bei uns vorbeigekommen sei. Er fragt dann, woher
wir kommen und erzählt, dass er auch schon in der Schweiz gewesen
sei und meint, dass wir schöne Fahrzeuge hätten. Schlussendlich
wünscht er uns eine gute Weiterreise und fährt wieder weg.
Wir waren nun nicht sicher waren diese Personen Militär, Zoll oder
Polizei. Nun es spielt keine Rolle, denn wir können nun unser Abendessen
vorbereiten. Wiederum sind Wolken aufgezogen und es beginnt zu regnen.
Do. 15.11.01: Wir haben nicht schlecht geschlafen, dennoch werden wir
mehrmals aufgeweckt durch den Strassenlärm, alles Militärfahrzeuge.
Am Morgen war dann alles klar, denn kurz nach unserer Abfahrt fahren
wir an einer grossen Militärunterkunft vorbei und ebenfalls standen
auf der Strasse einige mit "Vollschmuck".
Da Sonja und Martin mit ihrem Landy meistens schneller sind als wir,
fahren sie immer voraus und warten dann ab und zu, vorallem aber wenn
es eine Abzweigung gibt. Bei einer solchen Warte-Aktion kommt plötzlich
ein Mapuche Ehepaar aus einem Haus und bieten Holzlöffel zum Kauf
an. Nach kurzer Zeit wird man sich einig und die Frau hat eine grosse
Freude und sie macht die Haare noch etwas zurecht, als sie bemerkt,
dass wir sie fotografieren.
Auf der Weiterfahrt nach Curacautin müssen wir nun durch den längsten
Tunnel (4557m lang) von Südamerika. Geplant war dieser Tunnel als
Eisenbahnverbindung zwischen Chile und Argentinien. Er wurde in den
30-er Jahren gebaut, jedoch nie in Betrieb genommen. Nun ist es eine
einspurige Naturstrasse, mit einigen rechten Löchern in der Fahrbahn,
diversen Wassereinbrüchen von der Decke und natürlich "stockfinster".
Mittels Lichtsignale, Telefon und schlussendlich persönlicher Einweisung
(für uns ohne Lichtsignal) können wir durchfahren. Höchstgeschwindigkeit
ist 10 kmh angegeben, wir schaffen es jedoch einwenig schneller. Die
Durchfahrt ist wirklich spannend und wir sind froh, wenn wir durch sind,
wirklich ein Erlebnis. Etwas später fahren wir nochmals bei Thomas
und Eva vorbei, um Brot und Konfitüre zu kaufen.
In Curacautin versuchen wir in einem mit Internet angeschriebenen Lokal
zu "emailieren", doch es bleibt bei einem Versuch, denn der
Compi scheint ein älteres Semester zu sein. Wir fahren weiter nördlich,
zuerst in die Stadt Los Angeles (etwa 100'000 Einwohner) um in einem
Supermercado einzukaufen. Teilweise ist es sehr mühsam, in solch
grossen Städten ein Internet-Cafe zu finden, weshalb wir zur Stadt
raus fahren, um den etwa 25 km weiter nördlichen Salto del Laja,
den grössten Wasserfall in Chile, zu besuchen. Zuerst besichtigen
wir den Wasserfall von der Strassenbrücke aus, welche einige hundert
Meter davon entfernt ist. Danach suchen wir einen Campingplatz und haben
Glück, denn wir können die Fahrzeuge direkt oberhalb des Falles
und ca. 10 m weg vom Fluss hinstellen. Die Dusche ist auch wieder akzeptabel,
da wir in einem Häuschen das Badezimmer benutzen können. Gegen
Abend haben wir strahlend blauen Himmel und eine angenehme Wärme.
Fr. 16.11.01: Heute, nach etwas ausschlafen fahren wir weiter süd-westwärts.
Die Landschaft in dieser Region ist einmalig und wir erleben so richtig
den Frühling oder die vorsommerliche Zeit, denn auf den Wiesen
und der Strasse entlang blühen Sträucher und Blumen in verschiedenen
Farben, daher
Chilenischer Frühling:
Zuhaus beginnt schon bald die Winterszeit
doch hier in Chile ist es nun soweit
der Wald und Vulkane, bedeckt mit Schnee
und die wärmende Sonne, sie spiegeln im See.
Die Araukarienbäume ragen in den Himmel hinein
ihre Knospen leuchten im Sonnenschein.
Die Felder, die Wiesen und der Strassenrand
die Landschaft bringt uns beinah ausser Band
Blumen, Blumen, in den buntesten Farben
eine unglaubliche Zahl von verschiedenen Arten.
Bäume und Wälder sind mit von der Partie
in unsrer Heimat haben wir dies gesehen nie.
Entlang der Wege, auch wenn der Wind mal weht
und der Kondor über uns seine Kreise dreht
schöne Käfer, blau, rot oder grün und andere Tiere,
Vögel zwitschern und markieren Reviere
es ist herrlich hier die Natur zu erleben
der chilenische Frühling, so ist er eben!
Die Route führt uns über Angol, einer kleineren Stadt zum
Nationalpark Nahuelbuta. Er wurde errichtet, um die letzten Araukarienbäume
in dieser Region zu schützen. Die über 1000 Jahre alt werdenden
Bäume haben meistens sehr gerade Stämme und ein resistentes
Holz. Leider werden diese Bäume heute noch an verschiedenen Orten
abgeholzt. In dieser Region wurden riesige Hügelzüge gerodet.
Dafür wurden schnellwachsende Kiefermonokulturen angepflanzt, wo
die Bäume bereits nach 20 Jahren gefällt werden. Es ist unglaublich,
wieviele Lastwagen mit Holz beladen auf den Strassen fahren. Es hat
auch zahlreiche holzverarbeitende Fabriken.
Nach Angol, ca. 200 müM, führt eine teilweise steile Naturstrasse
auf ansehnliche 1100 m Höhe. Ab und zu ist sie eng, dazu hat sie
noch einige Löcher und Gräben. Doris sitzt teilweise wie auf
Nadeln. Ausweichen wenn andere Fahrzeuge kreuzen, ist ein Problem. Tatsächlich
kommt uns in einer unübersichtlichen Kurve ein Kleinbus entgegen,
aber wir haben Glück, denn beide Fahrzeuglenker reagieren richtig
--- nichts passiert! Wir schnaufen etwas auf, als wir den "Campingplatz"
des Parks erreichen. Da unser Fahrzeug nicht auf die eingerichteten
Zeltplätze passt, entscheiden wir uns, auf dem Parkplatz unser
Fahrzeug "an der Sonne" abzustellen. Es spielt keine Rolle,
denn es hat so oder so praktisch keine Leute hier, denn auch hier in
Chile hat die Saison noch nicht begonnen. Wir geniessen die letzten
Sonnenstrahlen und eine sternenklare Nacht steht bevor.
Sa. 17.11.01: Gegen Morgen wird es sehr kalt. Als erstes heisst es,
Dachluke auf und siehe da, wir haben eine Eisdecke auf dem Dach. Heute
stehen wir früh auf, denn wir wollen eine Wanderung durch den Wald
zum "Adlerfels" machen. Der heisst so, nicht weil es hier
Adler hat, sondern weil die Aussicht ist wie von einem Adlerhorst. Er
ist etwa 300 m höher , d.h. es ist eine gemütliche Wanderung.
Einmal mehr geniessen wir den Wald mit seiner Vielfalt an Blumen, Eidechsen,
Käfern und den zahlreichen Vogelspinnen dem Weg entlang. Noch nie
sind wir so vielen Vogelspinnen begegnet wie hier. Wir wissen nicht,
ist es nur eine oder mehrere Arten. Auf jeden Fall sind sie schön
und natürlich werden sie auch fotografiert.
Gegen Mittag erreichen wir den "Adlerfels", welcher eine
Formation von riesigen Felsbrocken ist. Wir kommen gerade noch zur rechten
Zeit, denn eine aufkommende Bewölkung beginnt die Sicht auf die
schneebedeckten Vulkane in der Ferne zu verdecken. Im Osten ist die
Pazifikküste zu sehen. Die Aussicht ist fantastisch und wir machen
längere Zeit Rast und geniessen die Sonne, so lange es geht. Zur
Rückkehr nehmen wir einen anderen Weg. Gegen Abend verschwinden
die Wolken wieder und wir gehen nach einem herrlichen Tag, bei erneut
sternenklaren Himmel zu Bett.
So. 18.11.01: Wir haben wiederum Eisblumen auf der Dachlucke, aber
trotz des schönen Wetters ist für uns heute Ausschlafen angesagt,
denn Sonja u. Martin gehen alleine auf eine Wanderung. Wir möchten
einmal die Zeit nutzen, ebenfall die Natur nahe zu erleben, dies jedoch
durch die Optik der Foto, respektive der Videokamera. Und wie es ja
so ist bei der Naturfotografie, man geniesst das was vor die Linse kommt.
Wie auch jedem bekannt ist, braucht auch dies seine Zeit und einmal
mehr ist es faszinierend Eidechsen, Spinnen und Käfer durch das
Objektiv nahe zu sehen und im Bild festzuhalten. Wir geniessen den Tag
in vollen Zügen und am Abend geniessen wir am Feuer mit Sonja und
Martin einen "Schlummertrunk".
Mo. 19.11.01: Wir stehen heute früh auf, denn nun geht die Fahrt
südwärts und wir möchten mindestens bis in die Region
von Osorno fahren. Auf der Hauptroute der R5 kommt man recht gut voran,
denn der grössere Teil ist bereits eine gut ausgebaute Autobahn.
Man bezahlt auch eine Gebühr, wir begreifen aber das Zahlungssystem
nicht genau, denn es gibt hier Auf- sowie Abfahrten ohne Zahlstellen.
Begreifen oder nicht, ist unwichtig, interessant sind die vielen Ausfahrten
(Naturstrassen) zu kleinen Orten, Häusern oder irgend wohin. Man
sieht auch Kinder auf Leitplanken sitzend, welche Nüssli zum Verkauf
anbieten. Das wäre etwas für unsere Autobahnpolizei! Die Autobahn
wird aber auch zum spazieren und Fahrradfahren benutzt. Wir kommen heute
gut voran und fahren ziemlich genau 500 km weit, unser längster
Streckenabschnitt in Südamerika bis jetzt. Wir übernachten
in Frutillar, einer kleinen Stadt am Lago Lanquihue auf einem Campingplatz,
wobei die Parzellen schön mit Rosen abgegrenzt sind.
Di. 20.11.01: Einsetzen von Regen während der Nacht. Am Morgen
regnet es immer noch und wir fahren etwas weiter nach Puerto Varas,
der nächsten grösseren Stadt, südlich am See. Am Nachmittag
lässt der Regen nach und wir nutzen die Zeit um etwas zu "lädele",
für Internet und Kaffe mit Kuchen. Auch hier sind nicht die besten
Möglichkeiten frei zu campieren, weshalb wir uns auf einen Platz,
direkt am See niederlassen.
Mi. 21.11.01: Das Wetter ist gut und wir haben eine schöne Sicht
auf den Vulkan Osorno, welcher auch, wie der Vulkan Villarrica eine
sehr gleichmässige Kegelform hat. Wir nutzen die Gelegenheit machen
eine Fahrt zum Nationalpark Vicente Pérez Rosales. Während
dieser Fahrt sehen wir immer den Vulkan auf unserer linken Seite. Doch
wir meinen, dass uns der Vulkan Villarrica besser gefällt. Da ist
auch der Lagos Todos los Santos. Es ist sehr bekannt, denn von Puerto
Varas werden Touren organisiert, eine Kombination von Bus- und Schiffsreise
bis über die Grenze nach Bariloche in Argentinien. Das ganze ist
sehr touristisch ausgebaut, weshalb wir auch nur für kurze Zeit
am See verweilen. Es ziehen bald einige Wolken auf und beginnen die
Sicht auf den Vulkan zu verdecken. Nach einem Spaziergang durch den
Wald fahren wir bald wieder zurück zum selben Campingplatz.
Do. 22.11.01: In der Nacht setzt heftiger Wind ein und die starken
Wellen des Sees tönen so laut, dass wir meinen, direkt am Meer
zu sein. Am Morgen früh beginnt es sehr stark zu regnen darum schlafen
wir aus. Am Nachmittag fahren wir bei strömendem Regen weiter nach
Puerto Montt. Noch nie hat es auf der bisherigen Fahrt, den ganzen Tag
so stark geregnet. Der Regen lässt gegen Abend nach und einmahl
mehr beginnt die Suche nach einem Campingplatz, denn viele sind immer
noch geschlossen. Wir finden schlussendlich einen akzeptablen und sind
froh, dass wir uns nach dem regenreichen Tag aufwärmen können.
Doris geht vor mir in die Wohnkabine und bevor ich nachfolgen kann,
höre ich Aufschrei ---- das Bett ---- teilweise pflotschnass!!!
-- Nein, nein, die Dachlucke war geschlossen, aber eben, durch solche
Rumpelstrecken kann sich halt wirklich manche Schraube oder andere Dinge
lockern. Was jetzt? Zum Glück stehen wir auf einem Campingplatz,
welcher wieder an den einzelnen Plätzen ein 220 Volt Anschluss
hat. Beinahe kein Problem, denn wir haben ja unsere Raumtrocknungsmaschine
(Miniföhn) bei uns, welche nun erstmals richtig eingesetzt werden
kann. Matratze halb raus, Leintuch aufhängen an der Dachlucken-Kurbel
und mit Flammenschutzblech des Kochers (als Warmluftleitblech) kann
losgelegt werden. Verbunden mit einigen Lockerungs- und Turnübungen
auf dem Bett ist nach etwa 2 Stunden alles voll unter Kontrolle und
ein Ziel ist, die Dachlucke baldmöglichst abzudichten.
Fr. 23.11.01: Wir haben gut geschlafen und heute wollen wir in der
Stadt "lädele" und einige Dinge kaufen. Da hat es etliche
Warenhäuser in respektabler Grösse und bereits bemerkt man
auch, dass Weihnachten näher kommt. Zuerst besuchen wir den Fischmarkt
und einige Souvenir-Shops in dessen Nähe. Im Fischmarkt hat es
viele kleine Restaurants und wir beschliessen, in einem dieser engen
Lokale (Bodenfläche = ca. 12 m2) zu essen. Zu dritt bestellen wir
einen Seafood-Teller, Martin bestellt Seeforelle. Der Seafood-Teller
ist nicht sehr billig, dafür auch nicht gross. Was soll's? Später
meinen wir, dass dies wieder für eine gewisse Zeit unseren Bedarf
stillt.
Das Wetter ist auch etwas "Aprilmässig" denn während
des Essens beginnt es zu hageln. Am Nachmittag folgen weitere Hagelschauer
und es regnet auch in der "horizontalen". Wir versuchen hier,
Funkgeräte zu kaufen, da ja eines nicht funktioniert. Wir haben
Glück und kaufen 2 Stück in der gleichen Art und überprüfen
die Funktionstüchtigkeit noch im Laden, denn gebrannte Kinder fürchten
das Feuer.
Sa. 24.11.01: Wir fahren früh am Morgen weiter südlich auf
die Insel Chiloé. Chiloé ist eine grosse Insel, etwa halb
so gross wie die Schweiz. Dazu gehören viele vorgelagerte kleine
Inseln. Bekannt ist die Inselgruppe wegen den typischen Holzkirchen.
Die Überfahrt mit der Fähre dauert etwa eine halbe Stunde.
Kurz nach der Ankunft machen wir einen Mittagshalt. Wir entscheiden
uns, zu einem Leuchtturm zu fahren, nordwestlich der Insel gelegen.
Auf dem Weg dahin sind noch einige interessante Vogelarten zu sehen
und wir nehmen uns Zeit, Videoaufnahmen zu machen. Im Laufe des Nachmittags
erreichen wir das Areal von einigen Häusern mit dem Leuchtturm.
Der Leuchtturm wird von drei Marine-Angestellten betrieben, welche hier
mit ihren Familien wohnen. Wir werden freundlich empfangen und "Christian"
zeigt uns die ganze Anlage und wie diese betrieben wird. Der Leuchtturm
ist einer der drei wichtigsten von ganz Südamerika. Auf dem Meer
ist das Licht aus einer Entfernung von 112 Kilometern sichtbar (natürlich
nur bei gutem Wetter). Auf dem Turm, bei "frischer Brise"
erzählt uns Christian über seine Laufbahn und Dienste als
Turmwart, sowie diverse weitere Story's. Vielwissend, aber halb durchfroren
kehren wir wieder zu unseren Fahrzeugen zurück. Wir haben uns vom
Turm aus etwas umgeschaut, denn heute wollen wir frei campieren. Bereits
kommen unsere neuen Funkgeräte zum Einsatz und wir finden einen
schönen Platz direkt am Meer in aller Abgeschiedenheit.
So. 25.11.01: Wir stehen früh auf, denn wir wollen heute in einem
kleineren Ort den Markt besichtigen, welcher jeweils nur am Sonntag
von 10 - 13 Uhr ist. Das Wetter ist durchzogen, doch mehrheitlich sonnig.
Chiloé und der Süden von Chile sind bekannt, wegen der hohen
Niederschlagsmengen. Landschaftlich kommen Erinnerungen an Schottland
oder Irland auf. Später besichtigen wir verschiedene Orte und deren
Holzkirchen. Auch eine Besonderheit sind die Palafitos (Pfahlbauten).
25. - 28.11.01: Wir haben Glück mit dem Wetter und verbringen
einige gemütliche Tage hier auf Chiloé.
28.11.2001: Viele Grüsse an alle unsere Freunde und Bekannten,
Max - Doris - Sonja - Martin