Reisebericht 1. Teil vom 02.09. -
14.10.01
Vorbereitungen:
Die Vorbereitungen verliefen mehr oder weniger planmässig und ohne
grossen Stress. Natürlich macht man sich Gedanken, ob man nun wirklich
alles eingepackt hat, was man benötigt. Speziell für die technische
Ausrüstung und das Zubehörmaterial zu Video, Foto, Ton und
Notebooks. Ersatzmaterial für die Fahrzeuge ist auch vorhanden
und eigentlich gut verstaut im ganzen Fahrzeug. Der Lebensmittelvorrat
ist auch recht gross und sicher haben wir etwas mehr Gesamtgewicht als
erwartet. Nun, wir werden sehen, wie wir damit zurechtkommen. Die letzten
Tage vor der Abreise sind auch verbunden mit Verabschiedungen von unseren
Freunden und Bekannten. Den letzten Abend vor der Abreise verbringen
wir noch bei gutem Essen mit Martina und Dani.
So. 02.09.01: Den Wecker haben wir auf 06.30 Uhr gestellt. Unser Ziel,
ca. um 09 Uhr abzufahren, konnten wir einhalten. Wir rechnen etwa mit
13 Stunden Fahrzeit von Zürich nach Hamburg. Die Fahrt nach Hamburg
verlief gut, Staus gab es nur bei Stuttgart. Am Abend, ca. 19 Uhr machen
wir Halt für das Nachtessen. Zur Übernachtung suchen wir uns
den Stellplatz in Soltau aus, ein Ort, welcher gut und nahe zur Autobahn
gelegen ist. Gegen 21 Uhr erreichen wir Soltau und finden auch ohne
Beschreibung den Stellplatz relativ schnell. Es ist ein gross angelegter
Parkplatz bei der Therme von Soltau. Schnell geht es nun ins Bett, um
am Morgen fit zu sein. Bis Hamburg sind noch etwa 70 km zu fahren.
Mo. 03.09.01: Das Wetter hat sich verschlechtert und während der
Nacht beginnt es zu regnen. Ideal um am Morgen die Nummernschilder an
unseren Fahrzeugen zu wechseln und noch kleinere Dinge zum einschiffen
vorzubereiten. Ca. 10.15 Uhr fahren wir von Soltau weg. Auf dem letzten
Streckenteil nach Hamburg hat es wenig Verkehr und wir erreichen Hamburg
eine Stunde später. Dank guter Wegbeschreibung finden wir die Zufahrt
zum Hafengelände gut. Keine Zollkontrolle und kurze Zeit später
stehen wir bereits vor unserem Schiff, der Grande America von der Grimaldi-Line.
Für die Rücksendung der Nummernschilder treffen wir gerade
den richtigen Mann, welcher bereits diesbezüglich orientiert ist.
Er erklärt auch, dass wir auf der Seite der Laderampe warten sollen
und er werde kurze Zeit später kommen, um die Einweisung mit uns
durchzuführen. Tatsächlich dauert es nicht sehr lange und
wir können sogar selbst mit den Fahrzeugen in das Schiff fahren.
In der 6 Etage können wir unsere Fahrzeuge parkieren. Er erklärt
uns, dass wir während der Überfahrt zu unseren Fahrzeugen
gehen können. Somit ist es möglich, nachträglich diverses
Material noch in unsere Kabine zu nehmen.
Nach einer kurzen Einführung deklarieren wir noch das wichtigste
unserer Habe und schon bald ist der Kabinenbezug erledigt. Diese sind
mittelgross, einfach aber mit WC und Dusche eingerichtet. Genügend
Platz ist vorhanden, um unser Material zu verstauen. Offenbar hat man
uns noch zum Mittagessen erwartet, da wir dies aber nicht wussten, verpassten
wir die Gelegenheit. Dafür gab es am Abend bereits das erste reichhaltige
Essen. Zu unserem erstaunen wird auch ein Tischwein serviert.
Interessant ist nun von der obersten Etage, wo auch der Kommandoraum
ist, zuzuschauen, wie Fahrzeuge und Container verladen und entladen
werden.
Obwohl das Schiff mit einer Länge von 210 m nicht zu den längsten
gehört, ist es recht hoch und wirkt dadurch sehr massig. Es zeigt
sich bald, dass es im Vergleich zu vielen Schiffen sehr hoch und auch
breit (32m) ist. Gewaltig ist hinten die Laderampe, von wo man in die
verschiedenen Etagen fährt.
Nach 23 Uhr ist praktisch fertig geladen, so dass das Schiff zur Abfahrt
bereit gemacht wird. Zuvor lernen wir auch noch den Kapitän kennen,
der ebenfalls in Hamburg den Dienst aufnimmt. Der andere wird abgelöst
und geht in Antwerpen von Bord. Um 23.30 Uhr wird die Laderampe hochgezogen
und ziemlich genau um Mitternacht wird abgelegt. Das Abenteuer beginnt
nun wirklich und wir sind gelöst vom Stress, resp. der Anspannung
von der Hinfahrt.
Di. 04.09.01: Gespannt verfolgen wir von der Kommandobrücke aus
die Ausfahrt aus dem Hamburger Hafen. Erstaunlich, wie weit weg der
Hafen vom offenen Meer liegt. Ohne Probleme dürfen wir uns auch
im Kommandoraum aufhalten und zuschauen, wie das grosse Schiff gesteuert
wird. Genaue Karten mit GPS Einrichtung, sowie 2 grosse Radarschirme
zeigen die genaue Position. Um 01.30 Uhr gehen wir zu Bett, denn die
weitere Fahrt auf der Elbe bis zum offenen Meer beträgt noch ca.
6 Stunden.
Nach dem Aufstehen ist der erste Gang klar zum Deck, um zu schauen,
wieweit wir vorangekommen sind.
Wir lernen auch ein älteres Ehepaar kennen, welche mit dem Schiff
eine Rundreise, ca. 50 Tage gemacht haben. Sie machen uns einige Sitten
und Bräuche dieses Schiffes bekannt. Dies hat natürlich Vorteile
für uns. Kurz danach gehen wir zu unserem ersten Frühstück
an Bord. Dabei werden, wie sich auch später immer wieder zeigt,
frische Brötchen serviert.
Anschliessend begeben wir uns wieder auf Deck, um genauer die neue Umgebung,
d.h. Kommandobrücke sowie das offene Meer zu bestaunen. Wir erhalten
auch eine kleinere Einführung durch unseren Kapitän. Dabei
erfahren wir auch, dass die Route etwas anderst ist als erwartet.
Die Reiseroute ist nun wie folgt: Antwerpen - Le Havre - Bilbao - Dakar
- Freetown - Salvador - Vitoria - Rio de Janeiro - Santos - Paranagua
- Buenos Aires. Bilbao - Dakar, sowie Freetown - Salvador (Brasilien)
dauern je etwa 5 Tage.
Schon bald ist wieder Zeit für das Mittagessen. Wie erwartet gibt
es Teigwaren zur Vorspeise und natürlich den Tischwein. Das Essen
scheint generell gut zu sein, hingegen stellen wir fest, dass die Zubereitung
von Fleisch nicht zu den Stärken des Kochs gehört.
Im Laufe des Tages gehen wir nach unten um das Verhalten unserer Fahrzeuge
zu sehen. Trotz gewissem Seegang stehen diese relativ ruhig, natürlich
befestigt auf Deck 6. Die Nordsee ist immer etwas rauh und vor allem
bläst auch der Wind ziemlich stark. Wir kennen dies bereits von
unseren Aufenthalten in Holland, sowie den Überfahrten nach Irland
und England vor einigen Jahren. Der Tag vergeht schnell und nach dem
Abendessen geht es schon bald wieder ins Bett.
Mi. 05.09.01: Gegen 8 Uhr fahren wir in den Schleusenkanal, nahe beim
Hafen von Antwerben. Bei der Schleuse erfolgt Zollkontrolle. Wir gehen
zum Frühstück und verfolgen anschliessend die Weiterfahrt
im Hafengelände und das Anlegemanöver. Wir legen neben dem
Schwesterschiff "Grande Argentina" an, welches erst etwa ein
Jahr alt ist. Da es genau gleich ist, ist es interessant die wirkliche
Grösse des Schiffes zu sehen.
Später fahren wir mit dem Taxi in die Stadt. Wir konnten die DM
80.--, die wir noch hatten, in einem nahegelegenen Hafenrestaurant in
belgische Währung wechseln. Der Kurs war nicht besonders gut, aber
die 1400 bFr. reichten für Hin- und Rückfahrt mit dem Taxi.
Die Distanz vom Hafen zur Stadt ist recht weit. Nach einem kürzeren
Rundgang in der Innenstadt, essen wir in einem gemütlichen Restaurant
ein kleineres Mittagessen (Club-Sandwich). Was wir noch nie erlebt haben
ist, dass für den Gang zur Toilette Geld (etwa Fr. 0.50) verlangt
wird. Wir haben dies jedoch ignoriert.
Do. 06.09.01: Am Morgen regnet es und das Wetter ist nicht besonders
freundlich. Wir bleiben noch den ganzen Tag im Hafen stehen. Wir haben
keine Lust, nochmals von Bord zu gehen und verbringen diesen Tag mit
diversen Beschäftigungen. Gegen 23 Uhr ist fertig geladen und um
23.30 Uhr wird abgelegt.
Fr. 07.09.01: Um 01 Uhr legen wir im Schleusenkanal an. Es erfolgt erneut
eine Zollkontrolle. Da nicht viel passiert, beschliessen wir, ins Bett
zu gehen. Am Morgen erfahren wir vom Kapitän, dass 3 Stunden gewartet
werden musste. Keiner wusste genau wieso, er selbst hatte keine Freude,
denn hier ist Zeit Geld.
Während des Tages haben wir genügend Gelegenheit unsere GPS
Geräte auszuprobieren. Es ist eine Freude, wie genau diese mit
demjenigen des Schiffes übereinstimmen. Wir haben auch Zeit für
etwas Aktivität im Fitnessraum, d.h. Tischtennis und Velo.
Mittag- und Abendessen sind immer 4-gang Menü's. Die Variationen
sind recht gut. Zuerst Suppe oder Teigwaren, anschliessend Fisch, dann
Fleisch mit Salat und zuletzt Dessert, Früchte, Käse oder
Glace. Hingegen wird das Tischtuch nicht so oft gewechselt wie im Restaurant.
Wir erleben um 20.23 Uhr ein herrlicher Sonnenuntergang und wenige Minuten
später kommt der Lotse für die Einfahrt des Schiffes in den
Hafen von Le Havre, welchen wir gegen 22 Uhr erreichen.
In Le Havre hat es verschiedene Anlegestellen, für Kreuzfahrtschiffe,
ein Container-Port, der Ro/Ro-Port und der Auto-Port. Für Ro/Ro-
und Auto-Port müssen wir zuvor auch eine Schleuse passieren, nicht
zur Zollkontrolle, sondern infolge Niveauausgleich, ein interessantes
Schauspiel. Wir bekommen einen ersten Eindruck von diesen verschiedenen
Ports. Was da Container und Fahrzeuge herumstehen ist unglaublich. Die
"Grande Argentina" ist uns vorausgefahren und wir legen wieder
neben ihr an.
Sa. 08.09.01: Am Morgen regnet es erneut und wir haben beschlossen,
nicht in die Stadt zu fahren. Gegen Mittag erfolgt eine Zollkontrolle
unserer Räume. Die wollten es anscheinend wissen und haben unsere
Räume ziemlich gründlich untersucht, natürlich ohne Erfolg.
Gegen 20 Uhr verlegen wir zum Auto-Port, wo wir bis gegen 03 Uhr stehen
bleiben.
So. 09.09.01: Das Wetter wird besser und es ist angenehm auf dem Deck
zu stehen. Die Gelegenheit wird genutzt, um Vögel zu beobachten.
Am Nachmittag, während wir Tischtennis spielen, kommt der 1. Offizier
und teilt uns mit, dass um 5 Uhr ein "Drill" sei. Wir dachten
zuerst an eine "Grill-Party", da draussen tatsächlich
ein Grill steht. Gemeint war natürlich eine Instruktion betreffend
Sicherheit und Bezug der Rettungsboote. Bei dieser Übung waren
praktisch alle dabei. Es wurde das Rettungsboot ausgefahren und wir
hatten auch Gelegenheit, in das Rettungsboot zu gehen. Es hat je ein
grosses Boot auf jeder Seite. In einem Boot ist Platz für 42 Personen,
auf dem ganzen Schiff befinden sich aber nur etwa 30 Personen Besatzung
und wir 4 als Passagiere.
Wir haben beschlossen, unsere Abendessenszeit auf 20 Uhr zu verschieben,
so dass wir später in den südlicheren Regionen die Sonnenuntergänge
jeweils geniessen können. Das heisst, dass wir dann auch etwas
später zu Bett gehen. Das Abendessen ist speziell und zur Feier
des Sonntags wird ein Flaschenwein serviert "Montepulciano del
Abruzzo". Dieser ist eiskalt und bringt alles andere als das richtige
Aroma, denn anfänglich meint man er hätte "Zapfen",
was sich jedoch durch die Erwärmung ändert.
Mo. 10.09.01: Das Wetter ist gut und kurz nach dem Frühstück
erfahren wir, dass bereits ein grösserer Wal recht nahe zum Schiff
beobachtet wurde. Schade, dass man uns nichts gesagt hat. Wir hoffen
natürlich, noch Wale auf der weiteren Fahrt zu sehen. Später
sehen Doris, Sonja und Martin noch Wale in grosser Distanz.
Nach dem Mittagessen ist schon Land in Sicht von der Region von Bilbao.
Um 15 Uhr fahren wir im Hafen ein und legen eine Stunde später
an. Die Stadt Bilbao ist etwas entfernt von der Hafenstadt, eine Vorstadt
zu Bilbao. Die Strände nahe der Hafeneinfahrt sind praktisch leer.
Nur wenige geniessen den Sonnenschein. Einige Leute beobachten von der
Hafenmole aus die Ankunft unseres Schiffes, offenbar kommen nicht viele
mit so einer Grösse in den Hafen. Wir machen einen Spaziergang
zum Zentrum dieser Vorstadt. Da hat es eine kleine Parkanlage, wo wir
eine Weile dem Treiben von Jung und Alt zusehen. Es ist gegen Feierabend
und dadurch hat es sehr viele Leute.
Nach der Rückkehr zum Schiff, merken wir sofort, dass nicht geladen
wird. Der Grund liegt im Wasserstand, d.h. es ist immer noch Ebbe und
die Laderampe ist dadurch geknickt und für die Container-Anhänger
nicht passierbar. Man erklärt uns, dass erst am Morgen geladen
wird und wir erst gegen Abend den Hafen wieder verlassen werden.
Di. 11.09.01: Heute heisst es ausschlafen. Zuerst interessiert uns das
Wetter. Es ist absolut blauer Himmel, dennoch herrscht eine kühle
Brise. Bei einer leicht staubigen Umgebung (Verladung von Sand und Altmetall)
geniessen wir nun zum ersten mal die Wärme auf dem Deck. Heute
Abend geht die Fahrt weiter bis nach Dakar, wozu wir etwa 5 Tage benötigen.
Am Sonntag 16.09.01 16 Uhr, erreichen wir Dakar, Senegal. Da werden
vom Schiff vorwiegend alte Fahrzeuge abgeladen. Natürlich werden
auch einige 4x4 Fahrzeuge in einem guten Zustand ausgeladen. Dabei denkt
man schnell an das Autorally nach Dakar. Eigentlich wollten wir einen
kurzen Spaziergang in der Nähe des Hafens unternehmen, dies war
jedoch zu kompliziert, wegen den Formalitäten. Nun, wir waren etwa
50 m ausserhalb des Hafenareals, als man uns stoppte und mitteilte,
dass unsere Pässe zuerst in der Stadt abgestemelt werden müssen,
bevor wir das Areal verlassen dürfen. Nun, wir haben einen Eindruck
bekommen und dies hat uns eigentlich gereicht. Ebenfalls hatten wir
mehr als die Nase voll --- "frische Luft" eingeatmet. Tatsächlich
ist die Luft in der Hafenregion alles andere als erfrischend. Auch die
Meerwasserqualität ist "leicht" verölt (dieses Problem
könnte eventuell mit einem Flammenwerfer gelöst werden).
Zwei Tage später erreichen wir während einem heftigen Gewitter
den Hafen von Freetown in Sierra Leone. Da teilweise noch Bürgerkrieg
herrscht, ist eine markante UN-Präsenz unverkennbar. Hubschrauber
fliegen alle 20 Minuten über uns, Jeeps und Militär kontrollieren
das Hafengelände. Natürlich bleiben wir den ganzen Tag auf
Deck und beobachten die Umgebung und das Treiben der schwarzen Bevölkerung.
Am späteren Abend ist alles fertig und bereit zur Abfahrt. Aber
Halt, ohne Lotse geht nichts und der kommt erst am Morgen nach 07.15
Uhr. Da die Gefahr besteht, dass blinde Passagiere an Bord kommen, wird
die Laderampe hochgezogen. Das Können der Lotsen ist hier nebensächlich,
wichtig ist, dass sie gute Verpflegung mit "Zutaten" bekommen.
Während der Ueberfahrt nach Südamerika haben wir schönes
Wetter und recht ruhiger Seegang. Wir geniessen die schönen warmen
Tage und verbringen diese vorwiegend auf Deck.
Mitten in der Nacht, d.h. etwa 02.00 Uhr am Montag 24.09.01 legen wir
im Hafen von Salvador de Bahia (Brasilien) an, der drittgrössten
Stadt von Brasilien. Geplant war die Abfahrt am frühen Mittag,
diese wurde jedoch durch komplizierten Ablad verunmöglicht. Wir
hatten Gelegenheit, die nähere Umgebung vom Deck zu beobachten.
Da viele Leute kein Auto besitzen, wird sehr viel mit Bussen gefahren.
Auf der Strasse, ausserhalb der Hafenanlage sind innerhalb 5 Minuten
25 - 30 Busse vorbeigefahren. Am späteren Abend ging die Fahrt
weiter nach Vitoria.
Am Dienstag lacht der Himmel und wir verbringen fast den ganzen Tag
auf Deck. Uns wird gesagt, dass wir heute an einer Inselgruppe vorbeifahren,
wo öfters Wale zu beobachten sind. Wir haben Glück und können
vor dem Mittagessen einige Wale in weiter Ferne beobachten. Die geringste
Entfernung (ca. 30 km) zur Inselgruppe haben wir am Nachmittag. Immer
wieder können wir Wale, teilweise in einem Abstand von einigen
hundert Metern beobachten. Der Höhepunkt ist als ein Muttertier
mit dem Jungen in nächster Nähe am Schiff vorbeischwimmt.
Bis nach dem Sonnenuntergang können wir Wale beobachten, ein unvergesslicher
Tag.
Am Mittwoch 26.09.01 gegen 07 Uhr fahren wir im Hafen von Vitoria ein.
Die Stadt liegt sehr schön, trotzdem bleiben wir an Bord, denn
die Fahrt mit einem Taxi wäre etwas kompliziert. Auch hier ist
es interessant das Geschehen rund um das Schiff zu verfolgen. Am selben
Abend geht die Fahrt weiter nach Rio.
Am Donnerstag verschlechtert sich das Wetter und das Meer wird etwas
rauher. Am Abend sollten wir Rio de Janeiro erreichen. Und erstens kommt
es anderst und zweitens, als man denkt. Am Nachmittag regnet es und
am Abend hören wir plötzlich das Horn unseres Schiffes. Zuerst
müssen wir draussen auf dem offenen Meer warten, da noch ein anderes
Schiff an unserem Anlegeplatz ist. Die Einfahrt in den Hafen von Rio
ist alles andere als wie im Bilderbuch. Vom Zuckerhut, der Copacabana
und dem Corcovado ist keine Spur und die Siluette der Stadt nur im Nebel
verschleiert zu sehen. Dafür sehen wir bei der Ausfahrt am frühen
Morgen etwas mehr, dennoch bleibt die Christusstatue auf dem Corcovado
von den Wolken verhüllt.
Auf der Weiterfahrt in den kommenden Tagen wird das Wetter nicht besser,
im Gegenteil, teilweise starker Regen und ein rechter Seegang. Santos
und Paranagua bleiben für uns nur "Nacht und Nebelaktionen".
Von Paranagua bis Buenos Aires dauert die Schifffahrt nochmals etwa
zwei Tage.
Am Dienstag, 2.10.01 ca. 08 Uhr legen wir im Hafen von Buenos Aires
an. Das Wetter hat sich etwas gebessert, aber es ist immer noch regnerisch.
Wir geniessen noc das Frühstück an Bord, denn in der Zwischenzeit
wird die Immigration erledigt. Wir erhalten unsere Pässe zurück
und Pablo wird uns vorgestellt, der uns behilflich ist bei der Zollab-fertigung
mit unseren Fahrzeugen. Dies ist für uns eine grosse Hilfe, denn
nach kurzer Zeit und der Abgabe einer Tafel Schokolade als Geschenk,
können wir das Hafenareal ver-lassen. Frisch und froh fahren wir
raus, aber Halt, da steht schon der erste Polizist, der sich sehr für
unsere Papiere interessiert. Nach genauem Studium, wir glauben dass
er nicht schlau wird daraus, können wir weiter fahren.
Nun geht's los und unser erstes Ziel ist ein Campingplatz einige Kilometer
ausserhalb des Zentrums. Nach einiger Zeit erreichen wir die Region,
wo sich dieser befinden sollte. Nach einigem Suchen und vorbeifahren,
erweist es sich, das es keinen offiziellen Campingplatz gibt. Es handelt
sich um ein Erholungspark von der Gemeinde. Darauf können Camper
abgestellt werden und er ist gratis, dafür aber bewacht! Da es
in den letzten Tagen recht geregnet hat, ist das ganze Gelände
etwas "sumpfig". Die Leute sind freundlich und hilfs-bereit.
Tatsächlich kommt bereits ein erstes Problem. Was nützt ein
technisch gut ausge-rüsteter Camper, wenn keine Power vorhanden
ist? Da bekanntlich Kriechströme vor-kommen, hat es während
der einmonatigen Schiffsreise die Batterien der Wohnkabine vollständig
entladen. Die Solarzellen waren natürlich nutzlos unter Deck Wir
hofften, dass diese am nächsten Tag wieder wirksam würden.
Bei regnerischem Wetter machen wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln
einen Stadtbesuch. Am Abend nach der Rückkehr stellen wir fest,
dass die Batterien hoffnungslos entladen sind. Wir haben Glück,
denn der eine Nachtwächter auf dem Platz holt bei sich zu Hause
ein Batterieladegerät. Den ganzen Abend und während der Nacht
werden die Batterien wechselweise geladen.
Am Donnerstag, 4.10.01 nach einer beinahe schlaflosen Nacht um 8 Uhr
zeigen beide Batterien wieder 12.5 Volt. Das ist die Hoffnung, nun weiterhin
gut über die Runden zu kommen. Das Wetter verbessert sich und wir
fahren um 9 Uhr los Richtung Süden. Doch auch das ist nicht so
einfach. Da hier die Wegweiser nicht optimal sind, fahren wir zuerst
ein Stück nordwestlich. Dank GPS und Kartenmaterial finden Sonja
und Martin, welche vorausfahren die richtige Strasse zurück und
schlussendlich diejenige welche nach Süden führt, die Ruta
Nr. 3.
Bis zur Halbinsel Valdes ist es gegen 1300 km zu fahren und wir benötigen
dafür 3 Tage. Das Wetter ist wechselhaft, bald Regen dann wieder
Sonnenschein.
Am Samstagabend gegen 19 Uhr erreichen wir, bei teils starkem Regen
und Nebel den Campingplatz von Los Piramides auf Valdes, unser erstes
Reiseziel.
Am Sonntag, 7.10.01 ist richtig schönes Wetter und wir verbringen
den grösseren Teil des Tages auf einem Aussichtpunkt um Wale zu
beobachten. Jährlich, August - November, kommen etwa 600 dieser
Meeresgiganten in die Bucht bei Los Piramides. Ein richtiges Schauspiel
und ein grossartiges Erlebnis.
Gegen Abend fahren wir zu einem Aussichtspunkt, wo man mit den Fahrzeugen
auch über Nacht stehen kann. Von einem Aufseher wird uns gesagt,
dass die Zufahrt schlecht sei. Für unsere Landrover doch kein Problem,
oder? ---- Am Anfang hat es nicht so schlecht ausgesehen, aber dann
---- der grosse Sumpf. Nach Inspektion des Geländes und kurzer
Diskussion haben wir uns für den falschen Weg entschieden. Martin
und Sonja fahren voraus und kommen knapp durch. Da aber unser Radstand
etwas länger ist und das Fahrzeug schwerer, ist der Graben für
die Ueberquerung nicht so das ideale. Was nun kommt, ist die Feuertaufe,
d.h. die Erprobung unserer Sandbleche, Schaufel, Stiefel, --- Nerven,
usw. Nach längerem schaufeln und Luft rauslassen auf allen vier
Rädern --- unsere ist auch beinahe weg --- d.h. nach etwa einer
Stunde haben wir es geschafft. Der restliche Weg fahren wir dann mit
etwas mehr Tempo. Da heisst es durch die Löcher nur geradeaus fahren
und ja nicht anhalten. Teilweise spritzt das Dreckwasser bis über
unseren Alkoven. Am selben Abend, vorallem aber am anderen Tag gibt
es grosse Auslegeordnung und Reinigung unseres Materias, der Kisten,
Kleider, usw.
Am Montag, 8.10.01 ist sonniges Wetter, so dass wir den restlichen
Tag doch noch geniessen. Wir können auch Wale gut beobachten. Am
Dienstag früh schwimmen Wale sehr nahe an uns vorbei. Das atmen
der Tiere tönt, als ob schnaubende Elefanten nebenan stehen würden.
Ein herrlicher Anblick. Gegen Mittag fahren wir wieder zurück nach
Los Piramides. Der Strassenzustand hat sich etwas verbessert und wir
fahren zurück ohne Probleme. Ja, man bekommt sogar Spass, so richtig
durch die Schlammlöcher zu fahren, wenn man weiss wie.
In Los Piramides angekommen, entscheiden wir uns noch für eine
Bootstour zu den Walen, um diese von ganz nahe zu sehen. Bei etwas bedecktem
Himmel und ruhiger See fahren wir um 16 Uhr in die Bucht. Ein schöner
Anblick diese Tiere aus nächster Nähe zu sehen. Man bekommt
den Eindruck, dass sich die Tiere nicht gestört fühlen, teilweise
umkreisen sie das Schiff sogar. Wir fahren weiter in die Bucht raus,
doch auf der Rückfahrt kommt plötzlich ein stärkerer
Wind auf und das Meer zeigt sich schnell von seiner rauhen Seite. Pflotschnass
und mit Meerwasser geduscht erreichen wir mit dem kleinen Boot wieder
das Ufer von Los Piramides. Erneut Auslegeordnung, d.h. trocknen der
Kleider, unserer Kameras und Feldstecher ist angesagt. ---- auf beide
Arten gesehen, ein unvergessliches Erlebnis (Roth Adventure-Tours).
Mittwoch, 10.10.01. Wir geniessen den ganzen Tag auf dem Campingplatz
bei herrlichem Wetter. Die Nächte hier sind allerdings etwas kalt,
weshalb man dann auch die wärmende Sonne umsomehr geniest.
Donnerstag 11.10.01. Wir fahren auf Valdes Richtung Süd-ost und
später nach Norden um See-Elefanten, Robben und andere Tiere zu
beobachten. In Valdes sind die einzigen See-Elefanten Kolonien in Südamerika.
An einigen Stellen der Küste entlang lassen sich diese teilweise
gut beoabchten. Auf der Fahrt sehen wir auch Guanakos, Mara's, Hasen,
Nandus und andere Tiere. Gerne würden wir auch Orcas sehen, doch
von diesen Walen (Killerwal) hat es nur 2 Familien mit 9 - 15 Tieren.
Wir übernachten in der Wildnis, bei kühlem Wind. Am Freitag
fahren wir weiter bis nach Punta Norte. Da ist aber nicht viel zu sehen,
ausser dass der Winde sehr stark bläst. Wir fahren wieder südlich
und übernachten erneut mitten in der Pampa.
Samstag 13.10.01 Heute stehen wir früh auf und hoffen, eventuell
Orcas beobachten zu können. Wir übernachteten in der Nähe
von Punta Caletas wo im Oktober und November häufiger Orcas beobachtet
werden als am Punta Norte, wo die bekannten Jagdszenen der Orcas aufgenommen
wurden. Unser erster Halt machen wir, um Pinguine aus nächster
Nähe zu sehen. Kaum angekommen, entdecken wir 3 Orcas, welche Richtung
Caletas schwimmen. Wir fahren sofort zu einem Aussichtspunkt, wo sie
auch prompt vorbeischwimmen. Tatsächlich können wir sie beim
erfolgreichen jagen einer Robbe beobachten. Wir können sie noch
recht lange weiterverfolgen, ehe sie unseren Blicken entschwinden. Was
für ein schönes Erlebnis und sicher einer der Höhepunkte
unserer Reise.
14.10.01, 21 Uhr, wir grüssen alle Freunde und Bekannten, Max
- Doris - Sonja - Martin